Internationale Beziehungen und Entwicklungspolitik

Prof. Dr. sc. pol. Tobias Debiel

Lehrprofil

Als Lehrstuhl für Inter­na­tionalen Bezie­hungen und Entwick­lungs­politik beobachten wir, dass sich die Gegen­stände unserer Lehre im Wandel befinden. Entgrenzung und Vernetzung in der sich derzeit rapide verän­dernden Staatenwelt und einer zunehmend vernetzten Weltge­sell­schaft beein­flussen Entwicklungs-​, Konflikt- und Steue­rungs­prozesse. Auf diese Welt wollen wir unsere Studie­renden vorbereiten.

Ziele unserer Lehre

Ein zentrales Motiv unserer wissen­schaft­lichen Arbeit ist die Ausein­an­der­setzung mit vielfachen und hartnä­ckigen Ungleich­heiten. Wir sensi­bi­li­sieren unsere Studie­renden für die Existenz von Ungleich­heiten, von denen manche offen­sichtlich, andere verborgen sind. Dabei bemühen wir uns, auch unsere eigenen Einschät­zungen und Positionen zu reflek­tieren. Unserem Lehrstuhl­profil entsprechend inter­es­sieren uns als Lehrende dabei besonders die Ungleich­heiten im Bereich der Inter­na­tionalen Bezie­hungen und der Entwick­lungs­politik. Daher sind für uns Fragen von Entwicklung, Frieden und Gerech­tigkeit nicht wertfrei zu beant­worten. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir von unseren Studie­renden eine bestimmte Werthaltung zu diesen normativen Fragen verlangen, sondern dass wir sie dazu befähigen wollen, mit der Norma­tivität dieser Fragen umzugehen und eigene Positionen zu entwickeln, darzulegen, darüber zu streiten und auf Kritik zu reagieren.

Die Lehre genießt bei uns hohe Wertschätzung. Die Mitglieder unseres Teams arbeiten an der stetigen Verbes­serung ihrer Kompe­tenzen in Lehre, Prüfung und Beratung. Wir sind bestrebt, innovative und didaktisch durch­dachte Lehr- und Prüfungs­formate zu verwenden. Die Lehr-​Lern-​Forschung sehen wir daher als ein wichtiges Element unserer Arbeit an der Schnitt­stelle von Forschung und Lehre.

Das Profil unserer AbsolventInnen

Die Befähigung, einen politischen Standpunkt einzu­nehmen, sehen wir als Grund­vor­aus­setzung, um später als ausge­bildete Politik­wis­sen­schaft­le­rInnen bzw. Politik-​LehrerInnen glaub­würdig und seriös aufzu­treten. Dabei sind nicht alle Stand­punkte gleichermaßen anerken­nungs­würdig – auf die Qualität ihrer (auch normativen) Begründung kommt es an.

Unser Ziel ist es mithin, dass die Absol­ven­tInnen unserer Module und Lehrver­an­stal­tungen über die folgenden vier Kompe­tenzen verfügen. Wir halten diese für zentral, um in einer globa­li­sie­renden und zunehmend digita­li­sierten Welt politisch handlungs- und urteilsfähig zu sein.

Forschungs- und Analysekompetenz

  • Die Absol­ven­tInnen können eigen­ständige politik­wis­sen­schaftliche Analysen zu Themen der Inter­na­tionalen Bezie­hungen, der Friedens- und Konflikt­for­schung sowie der Entwick­lungs­for­schung vornehmen.
  • Die Absol­ven­tInnen beherrschen die Standards wissen­schaft­lichen Arbeitens sicher und wenden diese in einer methodisch durch­dachten Weise auf Probleme der Inter­na­tionalen Bezie­hungen und der Entwick­lungs­politik an.

Urteils- und Diskussionskompetenz

  • Die Absol­ven­tInnen sind in der Lage, wissen­schaftlich zu argumen­tieren und ihre eigenen Stand­punkte struk­turiert zu erläutern. Dabei sind sie kritisch gegenüber ihrer eigenen Haltung und können konstruktiv auf Kritik eingehen.
  • Die Absol­ven­tInnen würdigen andere Positionen und können daran begründete Kritik formulieren.

Digita­li­sie­rungs­kom­petenz

  • Die Absol­ven­tInnen können elektro­nische Infor­ma­ti­ons­quellen erschließen, kritisch einordnen und auswerten. Dafür beherrschen sie Such- und Selek­ti­ons­techniken, um wichtige Quellen schnell zu identifizieren.
  • Gleich­zeitig beherrschen die Absol­ven­tInnen Verfahren der Quellen­kritik, um die Vertrau­ens­wür­digkeit von Quellen einzu­schätzen und in Online-​Diskursen angemessen aufzutreten.

Komple­xi­täts­kom­petenz

  • Die Absol­ven­tInnen begegnen Wandel, Vielfalt und Alterität mit einer offenen Grund­haltung und betrachten diese eher als Berei­cherung oder Heraus­for­derung denn als Bedrohung.
  • Die Absol­ven­tInnen können die Perspektive anderer Personen einnehmen und deren Denk- und Handlungslogik rekon­struieren. Diese Fähigkeit zum empathischen Perspek­tiv­wechsel ist für das Leben in einer zunehmende inter­kul­turelle Weltge­sell­schaft sowie für die Friedens- und Konflikt­for­schung von besonderer Bedeutung.

Dabei möchten wir unsere Studie­renden zu einer kritischen Haltung gegenüber den gegebenen Ungleich­heiten in der Welt anregen. Das Hinter­fragen – von Strukturen ebenso wie von Meinungen – ist dafür eine unver­zichtbare Haltung und ein wichtiges Element von Diskursen. Mit der Ausbildung dieser vier Kompe­tenz­be­reiche wollen wir auch einen Beitrag zur Heraus­bildung einer zeitgemäßen Demokra­tie­kom­petenz leisten. Darunter verstehen wir Fähig­keiten, die aktive Bürge­rInnen einer durch Globa­li­sierung und Digita­li­sierung geprägten Demokratie brauchen.

Unsere Grundsätze der Lehre wenden wir auf alle von uns angebotenen Lehrver­an­stal­tungen der verschie­denenen BA– und MA-​Studiengänge der Fakultät an. Im Bereich des von uns organi­sierten Master­stu­di­engangs Inter­na­tionale Bezie­hungen und Entwick­lungs­politik (MA IBEP) legen wir zudem besonderen Wert darahf, dass die von uns vermit­telten Inhalte und Kompe­tenzen den Anfor­de­rungen in einschlägigen Berufs­feldern entsprechen.

Mit welchen Methoden arbeiten wir?

Wir gehen davon aus, dass diese Kompe­tenzen am besten durch aktivierende Lehr-​Lern-​Formate eingeübt werden können. Dafür verwenden wir eine inter­aktive und studie­ren­den­zen­trierte Didaktik. Dazu benötigen unsere Studie­renden ein regel­mäßiges (Peer-​) Feedback, um ein realis­tisches Bild ihres Lernfort­schritts zu erhalten. Im Sinne des Constructive Alignment verwenden wir innovative und kompe­tenz­ori­en­tierte Prüfungsverfahren.

Wir sind uns bewusst, dass die Modula­ri­sierung allen Betei­ligten Regeln und Zwänge auferlegen, versuchen aber diese Rahmen flexibel auszulegen und, wo möglich, das Studi­en­angebot im Sinne der oben genannten Ziele fortzu­ent­wickeln. Unsere Lehre berück­sichtigt in allen Studi­en­gängen vertiefende Fall- und Praxis­bezüge, um die Anwendung von theore­tischem Wissen und Analy­se­kom­pe­tenzen anhand konkreter empirischer Sachverhalte zu trainieren und die Studie­renden auf das Leben nach der Hochschule vorzubereiten.

Publikationen

Von Agenten, Akteuren und Strukturen in den Internationalen Beziehungen

Caroline Kärger, Janet Kursawe, Daniel Lambach (2017): Von Agenten, Akteuren und Strukturen in den Internationalen Beziehungen, in: ZIB Zeitschrift für Internationale Beziehungen, Jahrgang 24 (2017), Heft 2, S. 91 - 120.

New Kind of War - New Kind of Detention?

Hühnert, Dorte (2016): New Kind of War – New Kind of Detention? How the Bush Administration Introduced the Unlawful Enemy Combatant. Münster: LIT Verlag.

Warum Staaten zusammenbrechen

Lambach, Daniel; Johais, Eva; Bayer, Markus (2016): Warum Staaten zusammen-brechen: Eine vergleichende Untersuchung der Ursachen von Staatskollaps. Wiesbaden: Springer VS.